Steinstruktur800 180

 

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Problemstellung

In den kroatischen Medien, aber auch durch deren Beeinflussung in der Umgangssprache, beobachte ich schon längere Zeit die Betonung folgender, mir unangenehm auffallender Wörter:

 

alibi das Alibi
lavina die Lawine
antika die Antike
antički antik
antikni antikisch

 

Betonung

Vor zwei Jahren habe ich ein neues Betonungssystem[1] eingeführt. Dieses System unterscheidet sich von dem herkömmlichen bei der Auszeichnung der kurzsteigenden und langfallenden Akzente. Da ich in dieser Abhandlung durchgehend das von mir eingeführte System benutze, das sich von dem System in bereits davor gedruckten Wörterbüchern unterscheidet, führe ich noch einmal zur leichteren Orientierung die Unterschiede auf:

 


Das neue und das alte Betonungssystem

Neues Betonungssystem Altes Betonungssystem
kurzfallend : csta – cesta           ȁ
kurzsteigend : žna – žena           à
langfallend : dn – daan           ȃ
langsteigend : rka – ruuka           á

 

alibi – das Alibi

Das Wort alibi das Alibi wird in vielen Medien und in der Umgangssprache mit einem langsteigenden Akzent auf der zweiten Silbe reproduziert, also albi.
Richtig betont wird aber das Wort auf der ersten Silbe mit einem kurzsteigenden Akzent und mit einer Längenkennzeichnung auf der zweiten Silbe, demzufolge
lbi, so wie es auch in der Ursprungssprache, dem Lateinischen ausgesprochen wird. So ist das Wort auch in Anićs Wörterbuch der kroatischen Sprache[2] aufgeführt. Auch in Klaićs Fremdwörterbuch[3] ist das Wort korrekt als libi (Klaić: libi), jedoch ohne die Kennzeichnung der Länge als Eintrag aufgeführt. Sowohl Anić als auch Klaić bedienen sich für die kurzsteigende Betonung des herkömmlichen Betonungszeichens: lbi bzw. libi. Hierbei verweise ich auf das von mir eingeführte Betonungssystem, in dem sich die Betonungszeichen für kurzsteigende und langfallende Silben, wie bereits oben beschrieben, von dem alten System unterscheiden.

Wie es zu dieser eigenartigen Betonung in der gesprochenen Sprache kommt, langsteigend auf der zweiten Silbe, ist nicht nachvollziehbar. Möglicherweise trägt die Schuld hierfür das Längezeichen auf der zweiten Silbe bei Anić. Durch die Dehnung dieser Silbe verwandelt sich die Länge in die langsteigende Betonung, wobei die kurzsteigende Betonung der ersten Silbe verlorengeht, denn zwei Betonungen auf einem dreisilbigen Wort können nicht existieren.

 

lavina – die Lawine

Dieses Wort wird in allen Medien durchgehend mit einer kurzsteigenden Betonung reproduziert: lvina. Leider ist dieses Wort auch bei Anić mit einem kurzsteigenden Akzent versehen: lvina. Anićs Wörterbuch liefert somit die Erklärung, wie es zu dieser fehlerhaften Aussprache des Wortes kommen konnte. Wenn man das Wort lvina mit der kurzsteigenden Betonung reproduziert, dann heißt es nicht „die Lawine“, sondern ein großer Löwe, das Augmentativ von lȁv der Löwe.

Bei Klaić ist dieses Wort als lavna, also mit einer langsteigenden Betonung auf der zweiten Silbe eingetragen. So hat Anić bei Auszeichnung seines Wörterbuchs das Fremdwörterbuch von Klaić vermutlich nicht konsultiert. Möglicherweise ist er aus anderen, mir unerklärlichen Gründen, zu einem abweichenden Ergebnis gekommen.

 

Bei richtiger Aussprache trägt das Wort eine langsteigende Betonung auf der zweiten Silbe: lavna.

 

 

antika    – die Antike

antički   – antik

antikni  – antikisch

Diese drei Wörter bereiten allen Mediensprechern und Moderatoren große Probleme. So wird das Wort antika – die Antike mit einer kurzsteigenden Betonung auf der ersten Silbe als ntika reproduziert, obwohl das Wort bei Anić mit dem richtigen Akzent versehen ist: antka.

Die Adjektive antički – antik und antikni – antikisch werden bei Anić und daher auch in allen Medien mit einem kurzsteigenden Akzent gekennzeichnet bzw. ausgesprochen: ntičkī und ntikn. Es ist nicht zu erklären warum Anić in seinem Wörterbuch die richtig angebrachte Betonung beim Substantiv antka bei den Adjektiven ntičkund ntikn um eine Silbe vorgezogen hat.

Hier ist denkbar, dass Anić das Wörterbuch von Klaić konsultiert hat, denn bei Klaić sind diese Einträge auch mit der kurzsteigenden Betonung auf der ersten Silbe ausgezeichnet: ntičkund ntikn. Unglücklicherweise ist bei Klaić aber auch das Wort ntika (Klaić: ntika) mit einer kurzsteigenden Betonung auf der ersten Silbe versehen.

Sollte Anić hierbei Klaićs Wörterbuch überprüft haben, dann stellt sich die Frage, wie ist er bei der Auszeichnung des Substantivs antika zum richtigen Ergebnis gekommen und warum ist er bei den beiden Adjektiven nicht konsequent geblieben.

Richtigerweise werden die beiden Adjektiva genauso wie das Substantiv auf der zweiten Silbe mit einem langsteigenden Akzent versehen: antčki und antkni.

Bei Benešić[4] finden wir diese Einträge mit den identischen Betonungen wie bei Klaić, allerdings ohne den Eintrag antički.

 

 

Vergleich: Anić – Klaić – Benešić

Anić Klaić Benešić
lbi libi libi
lvina lavna lavna
antka ntika ntika
ntičk ntičk
ntikn ntikn ntikn


 

Zusammenfassung

Hier noch einmal alle Wörter mit der korrekten Betonung:

lbi das Alibi
lavna die Lawine
antka die Antike
antčki antik
antkni antikisch

[1] Matasić, Tomo: Das kroatische Betonungssystem, Liber Verlag 2014;

auch im Internet 2013 veröffentlicht unter:

http://liber.de/index.php/en/kroatisch/2-das-kroatische-betonungssystem

[2] Anić, Vladimir: Rječnik hrvatskoga jezika, Novi Liber, Zagreb 1991

[3] Klaić, Bratoljub: Rječnik stranih riječi, Tuđice i posuđenice, Nakladni zavod MH, Zagreb 1978

[4] Benešić, Julije: Rječnik hrvatskoga književnoga jezika od Preporoda do I.G. Kovačića, Zagreb 1985-1990